“Der Weg der Ökumene ist unumkehrbar.”

Aus dem Grußwort der Evangelischen Kirche im Rheinland an die römisch-katholische Kirche anlässlich der Gottesdienste zur Feier “50 Jahre Ökumenismusdekret“ des “Zweiten Vatikanischen Konzils” am 21. November 2014

Die Ökumene in Werden wird seit 1972 von einem Ausschuss begleitet. Ökumenische Schulgottesdienste, ökumenische Inhalte im Religionsunterricht und gemeinsame Bibelseminare, das waren zunächst die Themen des Ausschusses. Inzwischen ist die Ökumene in Werden weiter gewachsen und aus dem Leben der Schwestergemeinden nicht mehr wegzudenken. Der Ökumene-Ausschuss, dem die Pfarrer*in der beiden Gemeinden und interessierte Laien angehören, plant ökumenische Aktivitäten, bereitet sie vor und führt sie durch.

Dazu gehören „ökumenische Bibeltage“ (Gesprächsabende zu biblischen Texten), ein „Kanzeltausch“ der evangelischen und katholischen Prediger (sie predigen in der jeweils anderen Gemeinde), ein gemeinsamer Abendgottesdienst am Buß- und Bettag, der ökumenische Neujahrsempfang, das ökumenische Adventssingen und die Beteiligung der evangelischen Gemeinde am Ludgerusfest:

– ein ökumenischer Gottesdienst zur Schreinerhebung mit anschließender  Agapefeier
– eine Statio während der Prozession im Kirchgarten vor der Evangelischen Kirche
– ein gemeinsames Treffen nach der Prozession

Außerdem gibt es:

– den Adventsbasar
– das Friedensgebet
– den Weltgebetstag
– die “Denk-Bar”
– das Gemeindefest
– die ökumenischen Partnerschaftsprojekte Serpaf (Brasilien)  und Ruanda
– …und Vieles mehr.

Aus den vielen Begegnungen zwischen den Menschen der verschiedenen Konfessionen entwickelt sich eine Dynamik, die die Ökumene in Werden lebendig hält und immer weiter vorantreibt.

von Barbara Scharenberg

Leid und Unrecht, das vielen Menschen auf der ganzen Welt angetan wird, schreit zum Himmel.
Deshalb treffen sich alle zwei Monate einige Frauen aus der Pfarrei St. Ludgerus und der Evangelischen Kirchengemeinde Werden, um in ökumenischer Zusammenarbeit aktuelle Probleme zu diskutieren, sie für ein Friedensgebet aufzubereiten und darin Sorge, Klage und Bitten der Menschen vor Gott zu bringen – in der Regel zeitgenössische Texte und Lieder, die aufrütteln, wach machen und berühren, laden zum Nachdenken ein.
Und? Ändert sich etwas in der Welt durch unser Gebet? Wir wissen es nicht.Und doch: Wer um die Gerechtigkeit und den Frieden in der Welt ernsthaft bittet, der sieht auch den Unfrieden in seinem direkten Umfeld und in seinem Herzen. Die Bitte um den Frieden in der Welt ist immer auch eine Bitte um den Frieden in uns, der uns zum friedlichen Miteinander erst befähigt. Das ist der erste Schritt auf dem Weg zum Weltfrieden, ein Schritt, der auch sehr schwer und steinig sein kann.

Ökumenisches Friedensgebet

Herzliche Einladung
zum ökumenischen Friedensgebet.

Das etwa 45minütige Friedensgebet  wird von einer Gruppe katholischer und evangelischer Frauen vorbereitet zu jeweils unterschiedlichen Themen. Es beinhaltet u.a. eine Hinführung auf das Thema, Gebete, verschiedene ökumenische Lieder, eine Lesung aus der Bibel, Fürbitten und Texte
u.a. von Bonhöffer, Hüsch, Zenetti, Zink.

Es findet jeweils am 3. Freitag in den ungeraden Monaten in der Krypta der Basilika statt.

Während der Winterzeit um 17:00 Uhr und in der Sommerzeit um 18:00 Uhr.

Die nächsten Termine:

18. September 2020  18:00 Uhr
20. November 2020  17:00 Uhr

Die ökumenische Partnerschaft mit SERPAF

Die Ökumenische Partnerschaft zwischen der Evangelischen Kirchengemeinde Werden,  der katholischen Gemeinde St. Ludgerus  und der Tageseinrichtung zur Förderung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien SERPAF in Sete Lagoas, Brasilien, besteht seit 20 Jahren. Ziel von SERPAF ist es, durch Bildung den Familien aus den Armenvierteln Möglichkeiten und Chancen zu eröffnen, ihr eigenes Leben verantwortlich zu gestalten. Das Umfeld der Familien ist geprägt von Hunger, Gewalt, Kinderarbeit, Prostitution, Drogen und Kinderkriminalität.

Die Arbeit von SERPAF erfolgt schwerpunktmäßig in verschiedenen Einrichtungen in mehreren sozialen Brennpunkten. Inzwischen werden neben den ca. 800 Kindern und Jugendlichen, die den Stammsitz von SERPAF regelmäßig besuchen, im Umfeld insgesamt fast 5.000 Menschen erreicht.  Die Kinder erfahren Zuwendung und Anerkennung und es gibt täglich eine warme Mahlzeit. Im Kindergarten, werden die Kinder auf den Schulbesuch vorbereitet. Während der Schulzeit werden die Kinder und Jugendlichen durch Angebote durch Musik, Sport und Theater, Hausaufgabenbetreuung, Sprachkurse und Computerschulung weiter begleitet, gestärkt und gefördert.

SERPAF

In der Vorbereitung auf die Zeit nach der Schulzeit wird besonders Wert gelegt auf die Aneignung der Sekundärtugenden wie Ehrlichkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Aufmerksamkeit, Fleiß usw. Hier unterstützt SERPAF mit Berufseignungstests, berufswahlunterstützenden Maßnahmen und der Vorbereitung auf Berufe. Es gibt gezielte Schulungen für Eltern im Bereich von Gesundheit, Haushaltsführung, Berufsförderung und Nachhaltigkeit bei der landwirtschaftlichen Nutzung des Bodens. In kleineren Projekten werden Dinge des täglichen Bedarfs hergestellt mit dem Ziel den teilnehmenden Frauen ein Selbstwertgefühl zu vermitteln.

Der Werdener SERPAF Arbeitskreis pflegt einen engen Kontakt zur Leitung von SERPAF in Brasilien. Persönliche Kontakte, u.a. durch das „Freiwillige Soziale Jahr“ von deutschen Jugendlichen, Begegnungen in 2010 und 2016 in Essen und ein Besuch in Brasilien in 2018 zeigen die Intensität und das hohe Engagement in der Partnerschaft. Mit vielen Aktionen werden Spendengelder zusammengetragen, die die Arbeit vor Ort unterstützen. Die beiden großen Kinderhilfswerke DIE KINDERNOTHILFE und  das Kindermissionswerk DIE STERNSINGER sind als Kooperationspartner sowohl vor Ort tätig als auch in engem Kontakt mit dem Arbeitskreis.

Kontakt: Doris Korpiun, Tel. 0201-40 48 55, doris.korpiun@gmail.com

Spendenkonto: Ev. Kirchengemeinde Werden, Stichwort SERPAF,

IBAN DE 60 3506 0190 5995 1300 00, KD Bank Dortmund

Das ökumenische Hilfs-Projekt in Ruanda

Ursprünglich seit 1975 von den Einnahmen des Adventsbasars der kath. Kirchengemeinde St. Ludgerus unterstützt, wurde das Ruanda-Projekt ein Anliegen der Ökumene, als auch der Adventsbasar ökumenisch wurde. Das Gesundheitszentrum Cyahinda in der Stadt Butare wuchs und blühte zunächst, bis es in dem furchtbaren Bürgerkrieg 1994 völlig zerstört wurde. Die Leitung, Frau Lämmler, befand sich zu dieser Zeit wegen einer Operation in ihrer Schweizer Heimat und hatte deshalb überlebt. Sie begann aufs Neue, die Familien zu unterstützen, die überlebt hatten, und die zusätzlich zu den eigenen noch weitere elternlos gewordene Kinder aufnahmen. Laut UNICEF gibt es 800 000 Kinder in Ruanda ohne Vater und Mutter, so viele wie in keinem anderen Land der Welt.

Nach der grauenhaften Kriegs-Katastrophe sind es heute Aids, Malaria und Tuberkulose, die die Kinder zu Waisen machen. Ein Programm, das auch von MISEREOR unterstützt wird, sorgt in den Gemeinden für  sogenannte „Kinderfamilien“, in denen das älteste Kind die Rolle des Familienoberhauptes übernimmt. Sie werden finanziell unterstützt und persönlich begleitet durch Mitarbeiter*innen, die den Kontakt zu den örtlichen Pfarrern halten, die für Sorgen, Nöte und Probleme ein offenes Ohr haben und nach Lösungen suchen. Der Werdener Arbeitskreis sorgt mit seinen Spenden u.a. für Schulkleidung und –materialien, um damit den Kindern einen Schulbesuch zu ermöglichen.

Informationen und Kontakt:  Regina Kempin, Tel.: 0201-6124355, rekemp@gmx.de

Spenden an: Ökumenischer Arbeitskreis Werden, Nationalbank AG,

IBAN DE63 3602 0030 0003 2774 10   Stichwort: Ruanda

Runada

 

Oekumenische Denk-Bar

Pastorin Wenke Bartholdi und Diakon Frank Kühbacher laden herzlich ein in die “Denk-Bar”, die erstmals im Januar 2015 in der Klause der Stiftung St. Ludgeri, Brückstraße 87, ihre Pforten öffnete. In lockerer Runde sind Menschen aus unseren Gemeinden eingeladen, sich zu unterschiedlichen Themen aus Kirche und Gesellschaft auszutauschen:

Die nächsten Termine:

23. September 2020
25. November 2020

jeweils um 19:30 Uhr

Wencke Bartholdi

Frank Kühbacher

Was bedeutet Ökumene für Werden?

Was verbindet die beiden Werdener Kirchengemeinden?

Die Geographie?

Es sind nicht nur die traditionellen gemeinsamen Gottesdienste, Veranstaltungen und Feste. Wir sind auch auf andere Weise miteinander verbunden: Nehmen wir doch einmal die Landkarte von Werden. Wir zeichnen mit einem Lineal eine Linie von der Basilika St. Ludgerus bis zur Lucius-Kirche. Was sehen wir? Auf dieser direkten Linie zwischen den beiden katholischen Kirchen liegt das Haus Fuhr (2. Evangelische Kirche in Werden, 1832-1900, auch der Kirchturm mit dem Posaunenengel ist noch vorhanden) und die Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Werden (3. Evangelische Kirche in Werden). Wenn das keine Ökumene ist!

Die Architektur?

Vielleicht hat August Senz, der Architekt der 3. Kirche (sie wurde am 24. Juni 1900 eingeweiht), an die Ökumene gedacht. Vorher war er schon an Renovierungsarbeiten der Werdener Abteikirche (heute Basilika) St. Ludgerus beteiligt gewesen. Er hatte wohl dafür gesorgt, dass beide Kirchtürme einander nicht überragen. Näheres dazu in dem Artikel von Harald Müller.

Der Pilgerweg?

Eine weitere ökumenische Verbindung zwischen unseren Kirchengemeinden ist eine Muschel. Die Muschel der Jakobspilger. Dem Aufruf des Europarates folgend hat der Landschaftsverband Rheinland (LVR) das Projekt „Wege der Jakobspilger in Westfalen und im Rheinland“ aufgegriffen und anlässlich des Kulturhauptstadtjahres 2010 das Netz der Jakobswege im Ruhrgebiet an das Netz der europäischen Wege der Jakobspilger nach Santiago de Compostela angeschlossen. Seit dem Jahr führt einer der Jakobswege direkt durch Werden, zur Luciuskirche, über die Kirche der Evangelischen Kirchengemeinde Werden und die Basilika St. Ludgerus.

So können wir doch sagen:

Ökumenisch liegen wir in mancher Beziehung auf einer Linie.

Kirchtürme sind tatsächlich gleich hoch

Legende stimmt – Vermessungstechniker Harald Müller forschte nach:

„Die Kirchturmspitze (Dachabschluss) der Werdener Ludgeruskirche (heute Basilika) und die Kirchturmspitze der Evangelischen Kirche Werden sind beide gleich hoch! Keine der Spitzen soll die andere überragen! Das hatten die Geldgeber für die Evangelische Kirche verfügt.“ So ist es in Werden seit Jahrzehnten zu hören, und so hörte er es vor einigen Jahren aus dem Mund eines Werdener Kirchenführers, was die Sache schon halb amtlich machte.

Die Kirchtürme sollen außerdem beide die Höhe von 57,3 Meter haben (s. Werdener Nachrichten vom 13. November 2015).

„Wenn dat man stimmt!?“, sagte sich damals der Vermessungs-Ingenieur Harald Müller, der in seinem Leben viele Höhen gemessen (nivelliert) hat. „Ich kann es nur glauben, wenn ich es selbst kontrolliert oder nachgemessen habe!“ Harald Müller war als verantwortlicher Vermessungs-Ingenieur mit einer deutschen Baufirma auf  verschiedenen Baustellen in aller Welt tätig. Unter anderem in Nord-Spanien (Errichtung eines Stahlwerkes), Bau eines Flughafens (im Ausland), in Venezuela (Bau eines Wasser-Überleitungstollens am Rande der Anden) oder auf Java / Indonesien (Errichtung eines Walzwerkes).

Foto: Harald Müller 1975 in der Wüste

Nach dieser Kirchenführung (siehe oben) und des Infrage Stellens der gleichen Höhen der Kirchturmspitzen über NN (Normal Null), dauerte es noch einige Jahre, bis er sich angesichts der verbogenen Kirchturmspitze der Basilika das Thema noch einmal vornahm.

–  Auf einer Linie

Inzwischen hatte er noch etwas anderes herausgefunden, nämlich, dass alle drei bzw. auch eine ehemalige Kirche auf einer Linie liegen. Auf der direkten Verbindungslinie zwischen der Basilika und der Lucius Kirche, liegt sowohl die Evangelische Kirche (dritte Evangelische Kirche in Werden), als auch die zweite Evangelische Kirche (heute Haus Fuhr). Bei genauerer Betrachtung kann man erkennen, dass diese Linie jeweils über die Position der Altäre aller vier Kirchen verläuft.

–  Ausrichtung der Kirchen nach Osten

Ältere Kirchen sind häufig so gebaut, dass der Altar in Richtung Osten steht. Diese Ausrichtung nach Osten bezeichnet man als ‚Orientierung‘ (Osten: lateinisch ‚Orient‘,  zur aufgehenden Sonne, diese bringt der Welt Licht und Leben.). Zwar sind  heute viele Kirchen nicht mehr geostet (wie z.B. die katholische Kirche St. Peter in Kettwig oder die evangelische Kirche in Kettwig). Jedoch alle vier Werdener Kirchen sind ‚orientiert‘!

 –  Höhe der Kirchturmspitzen über NN (Normal Null)

Um nicht mit Vermessungsinstrumenten (Nivelliergerät, Theodolit, Entfernungsmessern) zur Messung der Höhen über NN der Kirchturmspitzen arbeiten zu müssen, fragte Müller beim Essener Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster an, ob es aussagefähige Informationen über eben diese Höhen gibt. Von dort erhielt er aus amtlichen Unterlagen die Höhen der jeweiligen Turmknopfmitten. Turmknopf der Basilika: ein Ellipsoid; Turmknopf der evangelischen Kirche: eine Kugel.

Turmknopfmitte der Basilika:                         117,58 Meter über NN

Turmknopfmitte der Ev. Kirche Werden:       116,89 Meter über NN

Also so ziemlich richtig? Besser noch: Wie man auf den Fotos sieht, ist der Turmknopf der Basilika um einige Dezimeter (nämlich 69 cm) über dem Dachabschluss des Turmes. Aber bei der evangelischen Kirche ist der Turmknopf gleich Dachabschluss des Turmes.

Durch diese Unterlagen nachgewiesen, hat der Dachabschluss (=Turmknopfmitte) der Ev. Kirche Werden eine Höhe von 116,89 Meter über NN.

Die Dachabschlusshöhe der Basilika konnte mit Unterstützung der Kunstschmiede Stratmann aus Kupferdreh ermittelt werden. Dort befindet sich (bis voraussichtlich Dezember 2015) das mit Kränen demontierte Ludgeruskreuz zur Reparatur, nachdem es bei Dacharbeiten in Schieflage geraten war.

Nach Auswertung dieser Information zeigte es sich, dass die Dachabschlusshöhen (Kirchturmspitzen, ohne Kreuzaufsätze) der Basilika in Werden und die der Evangelischen Kirche Werden gleich sind, nämlich 116,89 Meter über NN.

Jetzt kann Harald Müller bei der nächsten Werdener Kirchenführung, wenn es um gleiche Höhen der Kirchturmspitzen geht, sagen: „Jau, dat stimmt!“

Harald Müller, 27. November 2015